Jugendbauhütte am Schloss Senden aktiv

Tatkräftige Unterstützung war in der vergangenen Woche wieder am Schloss aktiv: Elf Jugendliche und junge Erwachsene, die ihr freiwilliges soziales Jahr (FSJ) bei der Jugendbauhütte Westfalen ableisten, haben von Dienstag bis Donnerstag „das Schloss gerockt“. Zehn Teilnehmer waren bereits vor zwei Wochen in Senden aktiv.

Die erste Gruppe hat sich intensiv um das Gartenhaus an der Schlosszufahrt gekümmert. An allen Seiten wurde mit Zollstock und Senkmaß anhand hunderter Messpunkte der aktuelle Schadensstand dokumentiert. Im Oktober soll nun gemeinsam mit der Denkmalbehörde beraten werden, was und wie zur Rettung des Hauses unternommen wird. Im Gegensatz zum Schloss besteht hier aber keine „Gefahr im Verzug“, da das Haus trotz der schiefen Wände noch in einem relativ stabilen Zustand ist. Daher kann man hier in Ruhe Schritt für Schritt vorgehen. „Je mehr Jahrgänge der Jugendbauhütte daran beteiligt sind, desto besser“, so Bernhard Anzalone, Leiter der Jugendbauhütte NRW-Westfalen, der die Besuche auf dem Schloss seit 2015 gemeinsam mit Architekt Christian Kiesow von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) begleitet. Denn bei den Projekten der Jugenbauhütten geht es nicht in erster Linie um schnelle Ergebnisse, sondern um Wissensvermittlung und darum, den Teilnehmenden ein Gespür für alte Gemäuer beizubringen, so Anzalone.

Die Arbeiten, die in der vergangenen Woche angegangen wurden, hinterließen sichtbarere Spuren: So wurde in einem gemeinsamen Kraftakt die Hütte des „Baustellen-Cafés“ innerhalb des Innenhofes umgesetzt, um Platz für die Einrüstung des Mannenhauses zu schaffen. Außerdem wurde das provisorische Geländer zum Eingang des Rombergtraktes sowie das Gartentor zur künftigen Gartenlehrwerkstatt frisch gestrichen.

Das Schloss profitiert dabei auch langfristig von den Besuchen der Jugendlichen, die eine gewisse Bindung zum Schloss aufbauen: „Viele ehemalige Teilnehmer kommen später zu anderen Aktionen wie den Parkpflegeseminaren wieder“, so die Beobachtung von Dr. Martina Flessner und Insa Ahrens.

Das FSJ dient vielen zum „Reinschnuppern“ in den Bereich der Denkmalpflege, um zu schauen, ob er für sie als Berufsfeld in Frage kommt. Ein Teil wird darin bestätigt, wie beispielsweise Carolin Krause, die anschließend eine Ausbildung als Kirchenmalerin absolviert. Andere stellen jedoch auch fest, dass sie doch lieber etwas anderes machen möchten wie Lisa Hilbrig, die in den Bereich der Tiermedizin wechselt.

Durch das FSJ im Rahmen der Jugendbauhütte wird ein Arbeiten mit einfachen Mitteln vermittelt. Die Schadenskartierung am Gartenhaus hätte man beispielswiese auch mit einem Lasergerät ausführen können. Durch die „händische“ Vermessung oder auch durch die Wiederverwertung alter Feldbrandklinker aus dem Schloss für das Gartenhaus soll ein kleiner Schritt weg von der Wegwerfgesellschaft erfolgen. „Man könnte sagen, es ist ein Arbeiten wie vor dem Krieg. Wir wollen zeigen, dass man Dinge auch reparieren kann, statt sie einfach wegzuwerfen“, sind sich Flessner und Anzalone einig.

Die Jugendbauhütte Westfalen ist ein Projekt der DSD in Trägerschaft der Internationalen Jugendgemeinschaftswdienste und wird gefördert durch das Land NRW und den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL).

Fotos + Text: Andreas Krüskemper

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