31. Mai 2026
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Einzigartige Herde bleibt nur durch Eingriff erhalten

Wenn sich Ende Mai die Tore der Wildpferdebahn im Merfelder Bruch öffnen, richtet sich der Blick von Pferdefreunden, Naturinteressierten und Fotografen auf ein Ereignis, das weit über die Region hinaus bekannt ist. Auch in diesem Jahr lockte der traditionelle Wildpferdefang zahlreiche Besucher nach Dülmen. Doch hinter dem spektakulären Geschehen in der Arena steckt weit mehr als gelebtes Brauchtum.

Rund 400 Wildpferde leben im Merfelder Bruch – der letzten naturselektierten Wildpferdeherde Europas. Die Herde ist seit 1316 dokumentiert und steht seit 1847 unter dem Schutz der Familie von Croÿ. Auf den rund 500 Hektar des überwiegend als Naturschutzgebiet ausgewiesenen Geländes leben die Tiere weitgehend ohne menschliche Eingriffe. Sie kennen weder Stall noch Tierarzt und wurden nie geritten.

Damit die Herde auch künftig gesund bleibt, müssen jedoch jedes Jahr die einjährigen Hengste aus dem Verband herausgenommen werden. In freier Wildbahn würden die geschlechtsreif werdenden Junghengste von einem Leithengst aus der Herde verdrängt und sich später zu Junggesellengruppen zusammenschließen. Im räumlich begrenzten Merfelder Bruch ist dieser natürliche Prozess jedoch nicht möglich.

Deshalb wurden auch in diesem Jahr die Junghengste in der Arena von erfahrenen Fängern von Hand aus der Herde herausgefangen. Dabei versuchen die Fänger, den Tieren möglichst ruhig und stressarm ein Halfter überzustreifen. Die Methode hat sich über Jahrzehnte bewährt und wird kontinuierlich weiterentwickelt.

Seit 2007 wird der Wildpferdefang wissenschaftlich von der Verhaltensbiologin Dr. Willa Bohnet von der Tierärztlichen Hochschule Hannover begleitet. Durch Schulungen und Anpassungen der Abläufe konnte das Verfahren weiter optimiert werden. So werden inzwischen nur noch jene Familienverbände in die Arena getrieben, in denen sich tatsächlich ein Junghengst befindet. Dadurch befinden sich deutlich weniger Tiere gleichzeitig auf der Bahn, was sich als schonender für die Herde erwiesen hat.

Nach dem Fang beginnt für die jungen Hengste ein neuer Lebensabschnitt. Sie verbringen zunächst eine Nacht zur Eingewöhnung auf dem Gelände, bevor sie von ihren neuen Besitzern übernommen werden. Unterstützt werden diese dabei durch erfahrene Wildpferdehalter, Interessenvereinigungen und die Herzog von Croÿ’sche Verwaltung.

Der Wildpferdefang ist damit weit mehr als eine traditionsreiche Veranstaltung. Er ist ein wichtiger Bestandteil des Artenschutzes und trägt dazu bei, ein einzigartiges Naturerbe für kommende Generationen zu bewahren. Die Einnahmen aus Eintrittsgeldern und Versteigerung decken die Kosten für Herde und Biotop dabei nicht vollständig. Umso wichtiger bleibt die Unterstützung für den Erhalt der letzten naturselektierten Wildpferdeherde Europas.

Fotos: Andreas Krüskemper

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