41:40! Rhein Fire erlebt einen bitteren Playoff-Krimi
Es war alles angerichtet für den nächsten großen Schritt Richtung europäische Football-Krone. 4.232 Zuschauer kamen ins Stadion Niederrhein nach Oberhausen und sahen ein Halbfinale, das an Spannung kaum zu überbieten war.
Rhein Fire ging als klarer Favorit in die Partie. Schließlich hatte die Mannschaft aus Duisburg die Wroclaw Panthers im Grunddurchgang noch mit 48:7 vom Feld gefegt. Doch im Playoff-Halbfinale war davon nichts mehr zu sehen. Stattdessen entwickelte sich von Beginn an ein offensiver Schlagabtausch, bei dem die Führung mehrfach wechselte. Am Ende hatten die Gäste aus Polen das bessere Ende für sich: 41:40 hieß es nach einem dramatischen Schlussviertel.
Die Panthers legten los wie die Feuerwehr. Gerade einmal drei Minuten waren gespielt, da hatte Quarterback Jameson Wang bereits zwei Touchdown-Pässe verteilt. Zunächst bediente er Juan Flores-Calderon über 60 Yards. Wenig später fand Wang Michael Harley Jr. mit einem kurzen Pass zum 14:0.
Rhein Fire brauchte einen Moment, um sich von diesem Schock zu erholen. Kenji Bahar brachte die Hausherren mit einem Touchdown-Pass auf Harlan Kwofie erstmals auf die Anzeigetafel. Doch Wroclaw blieb gefährlich. Dawid Brzozowski setzte sich nach einem Pass von Wang gegen mehrere Tackles durch und erhöhte auf 20:7. Nach dem ersten Viertel war bereits klar: Dieses Halbfinale würde kein Spaziergang werden.
Im zweiten Viertel kam Rhein Fire besser ins Spiel. Bahar fand Tim Sauerland und Jannik Lörcks jeweils für einen Touchdown. Die Panthers hatten allerdings stets die passende Antwort parat. Bartosz Woch sorgte für weitere Punkte der Gäste und hielt Wroclaw im Spiel. Mit einer 27:21-Führung für die Panthers ging es schließlich in die Halbzeitpause.
Noch war völlig offen, welche Mannschaft nach der Pause das Kommando übernehmen würde. Und zunächst sah es ganz danach aus, als würde Rhein Fire genau das schaffen. Die Defense erhöhte den Druck auf Jameson Wang und zwang den Quarterback zu zwei Interceptions. Dereck Onyia und Nazir Streater sorgten für die Ballgewinne. Rhein Fire nutzte das Momentum konsequent. Bahar bediente erneut Harlan Kwofie, anschließend lief der Quarterback selbst über 19 Yards in die Endzone. Plötzlich stand es 34:27 für die Gastgeber.
Spätestens jetzt schien die Partie gedreht. Zu Beginn des vierten Viertels legte Sergej Kendus noch einen drauf und erhöhte auf 40:27. Nur noch wenig sprach zu diesem Zeitpunkt für ein Comeback der Panthers. Doch genau das sollte passieren.
Der entscheidende Moment kam beim Extrapunkt nach dem Touchdown von Kendus: Der Kick wurde geblockt. Rhein Fire verpasste damit die Möglichkeit, den Vorsprung weiter auszubauen. Wroclaw blieb im Spiel – und nutzte diese Chance.
Gut vier Minuten vor Schluss fand Wang erneut Michael Harley Jr. über 17 Yards. Der Anschluss zum 34:40 ließ die Panthers wieder hoffen. Dann musste Rhein Fire den Ball nach einem schnellen Three-and-out wieder abgeben. Knapp zwei Minuten vor dem Ende bekam Wroclaw damit genau die Gelegenheit, auf die das Team gewartet hatte.
Was anschließend folgte, war die große Show des Jameson Wang. Der Quarterback führte seine Mannschaft über das Feld und ließ sich auch vom Druck der Rhein-Fire-Defense nicht aus der Ruhe bringen. 1:30 Minuten vor dem Ende war es schließlich Wang selbst, der mit einem Ein-Yard-Sneak die Endzone erreichte.
40:40. Nun musste der Extrapunkt entscheiden. Jakub Ciurkot behielt die Nerven und verwandelte sicher. 41:40 für Wroclaw.
Rhein Fire hatte noch einen letzten Angriff. Doch der verzweifelte Versuch, die Partie erneut zu drehen, endete mit einem Turnover on Downs. Dann war Schluss. Die Panthers feierten einen der größten Erfolge ihrer Vereinsgeschichte, während bei Rhein Fire die Enttäuschung über die verpasste Finalteilnahme riesig war.
Dass Wroclaw überhaupt noch einmal zurückkommen konnte, lag maßgeblich an zwei Spielern. Quarterback Jameson Wang absolvierte 37 von 48 Pässen für 404 Yards und fünf Touchdowns. Zusätzlich erzielte er den entscheidenden Rushing-Touchdown selbst. Zwei Interceptions standen einer ansonsten herausragenden Vorstellung gegenüber. Sein Lieblingsziel war Michael Harley Jr. Der Receiver fing unglaubliche 21 Pässe für insgesamt 234 Yards und zwei Touchdowns.
Mit dem Sieg schreibt Wroclaw Geschichte. Die Panthers stehen erstmals im AFLE Gold Bowl und haben damit die Chance auf die erste europäische Meisterschaft der Vereinsgeschichte.
Im Finale wartet am kommenden Sonntag, 6. September, mit den Vienna Vikings ausgerechnet der Gegner, dem Wroclaw Anfang August die bislang einzige Niederlage der Saison zufügte. Damals setzten sich die Panthers im Sport-Club-Stadion mit 34:31 durch.
Das erste Endspiel um die europäische Krone verspricht damit bereits auf dem Papier ein echtes Highlight zu werden. Und während Wroclaw nach dem dramatischen Halbfinalsieg jubelt, bleibt für Rhein Fire die bittere Erkenntnis: Eine 13-Punkte-Führung im vierten Viertel hat nicht gereicht.
Fotos: Andreas Krüskemper















































