7. September 2026
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AFLE zwischen Aufbruch und Aufarbeitung: „Wir werden nicht nur reden, sondern es zeigen“

Vor dem ersten Gold Bowl in Duisburg blickt die American Football League Europe nach vorn. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Liga ein schwieriges Jahr hinter sich hat. Die Übernahme von Rhein Fire ist dabei nur das sichtbarste Zeichen einer Phase, in der die AFLE ihre Strukturen grundlegend neu ordnen will.

Die American Football League Europe (AFLE) will nach einem turbulenten Jahr den Blick nach vorn richten. Bei der Pressekonferenz vor dem ersten Gold Bowl in Duisburg sprachen AFLE-CEO Joel Nagel, Präsident Jim Tomsula und COO Moritz Heisler über die Zukunft der Liga – und ließen dabei erkennen, wie groß die Herausforderungen tatsächlich waren.

„Obviously, we’ve had a rough year and a half“, sagte Tomsula. Die Liga habe mit Problemen zu kämpfen gehabt, die teilweise übernommen worden seien. Gleichzeitig betonte er, dass die Verantwortlichen gemeinsam daran gearbeitet hätten, die Saison zu Ende zu bringen.

Heisler verwies darauf, dass die AFLE ihr wichtigstes Versprechen erfüllt habe: Alle angesetzten Spiele wurden ausgetragen. „No shortcuts, every game played“, lautete seine Bilanz.

Rhein Fire als Beispiel für die neue Strategie

Besonders deutlich wurde der neue Kurs beim Thema Vereinsstrukturen. Nach der finanziellen Krise bei Rhein Fire ist die AFLE inzwischen Mehrheitseigentümer des Traditionsklubs. Die Liga versteht sich dabei zunehmend als Instanz, die eingreift, wenn ein Franchise in Schwierigkeiten gerät.

Nagel verglich dieses Modell mit einer Zentralbank, die dafür sorgt, dass einzelne Banken nicht zusammenbrechen. Unterstützung könne vorübergehend, strategisch, strukturell oder langfristig erfolgen.

Gleichzeitig stellte Nagel klar, dass die AFLE nicht alle Teams besitzen wolle. Für 2027 sei vielmehr eine Mischung aus ligaeigenen und unabhängigen Franchises vorgesehen. Wie viele Anteile einzelne Beteiligte tatsächlich halten, wollte er allerdings nicht offenlegen.

Gerade dieser Punkt dürfte für Diskussionen sorgen. Die Liga will selbst Stabilität schaffen und zugleich als übergeordnete Instanz über die Interessen ihrer Teams wachen. Kommissar Andreas Nommensen soll dabei unabhängig für sportliche Regeln und Integrität zuständig sein.

Vom Krisenmanagement zum langfristigen Aufbau

Für die kommenden Jahre setzt die AFLE auf langsames und kontrolliertes Wachstum. Neue Märkte sollen erschlossen werden, gleichzeitig werden Franchises und Führungspersonal überprüft und anhand von Kennzahlen bewertet.

Nagel formulierte das langfristige Ziel deutlich: Die Liga müsse nachhaltig werden. „To be sustainable, you have to be profitable.“

Dabei setzt die AFLE nicht ausschließlich auf den europäischen Markt. Auch in den USA sollen Übertragungen, kommerzielle Partnerschaften und neue Kontakte für Wachstum sorgen. Die Saison im europäischen Football liegt zeitlich in einem Zeitraum, in dem der US-Football weitgehend pausiert. Darin sieht die Liga eine wirtschaftliche Chance.

Mehr Ausgeglichenheit auf dem Spielfeld

Auch sportlich soll sich die Liga weiterentwickeln. Tomsula verwies auf Mark Gorsuch, einen langjährigen NFL-Personalexperten, der künftig die Kaderstrukturen der Teams analysieren und weiterentwickeln soll.

Ziel sei es, schwächere Mannschaften gezielt zu unterstützen, ohne erfolgreiche Teams künstlich auszubremsen. Von der Ausgeglichenheit der NFL sei man allerdings noch entfernt.

„Wir werden es zeigen“

Trotz aller strukturellen und finanziellen Probleme wollte Tomsula die Pressekonferenz nicht als Krisensitzung verstanden wissen. Vielmehr sieht er die AFLE an einem Wendepunkt.

„We’re going to stop a lot of this talking and we’re going to show you by doing it.“

Der erste Gold Bowl in Duisburg soll dafür ein sichtbares Signal sein. Mit den Vienna Vikings und den Panthers Wrocław stehen erstmals zwei nichtdeutsche Teams im Finale. Gleichzeitig findet das Endspiel ausgerechnet in der Heimat von Rhein Fire statt – einem Klub, dessen Zukunft wenige Tage zuvor durch den Einstieg der AFLE gesichert wurde.

Die Liga hat damit einen Neustart angekündigt. Ob aus dem angekündigten Stabilisierungskurs tatsächlich ein dauerhaft tragfähiges Modell entsteht, wird sich allerdings erst in den kommenden Spielzeiten zeigen.

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